Was macht den Reiz der Nasenarbeit aus?




Ich oute mich an dieser Stelle. Ich bin ein Nerd. Ein Nasenarbeits-Nerd. Ich finde es faszinierend Hunden bei der Sucharbeit zuzusehen und dabei ihre Herangehensweise und die Entwicklung des Geruchs zu analysieren …

Ich bin aber auch Realist. Ich weiß, dass nicht viele Leute der Sucharbeit auf diese Art und Weise begegnen.

Sind wir ehrlich – für die meisten Menschen ist es stink langweilig einen Hund bei der Nasenarbeit zu beobachten. Wie er mit seinem Besitzer durch das Suchfeld dümpelt und dabei mal rechts, mal links verweilt, um eine Stelle ganz genau unter die Lupe zu nehmen, reißt so schnell keinen vom Hocker. Die Nasenarbeit eignet sich, somit nicht als großes Showevent, bei dem das Publikum begeistert mitgeht. Das muss sie auch gar nicht. Das können andere Hundesportarten weit besser.


Trotz ihrer geringen Außenwirkung erfreut sich die Nasenarbeit in den letzten Jahren immer größerer Beliebtheit. Der Wunsch der Hundebesitzer ihrem Liebling die Möglichkeit zu geben seine natürlichen Instinkte ausleben zu können ist groß. Alle möglichen Nasenarbeitskurse sprießen aus dem Boden. Warum der Hund sich für diese Art der Beschäftigung begeistern kann steht außer Frage, aber was macht für den Besitzer den Reiz dieser Tätigkeit aus?


Geht es nur darum das der vierbeinige Liebling ihn glückselig anlächelt? Möglich, aber auf Dauer sollte da doch mehr hinter stecken.+



Der Reiz des Abenteuers


erst richtig los. Das Team kann sich nun an die Lösung von Verstecken wagen, die der Hundeführer selber nicht angelegt hat. Der Mensch tappt bei der Suche im Dunkeln und muss ganz auf die Leistung seines Hundes vertrauen. Ich kann sagen, dass kann ganz schön nervenaufreibend sein. Unzählige Male bin ich durch ein Suchgebiet gelaufen und habe nicht mehr damit gerechnet, dass mein Hund noch fündig wird. Doch am Ende wurde ich mit einer ordentlichen Portion Glücksgefühle für meine Geduld belohnt. Wir begeben uns mit dem Hund auf eine Schatzsuche. Durchstreifen gemeinsam mit ihm die Natur und gewinnen neue Einblicke in eine Welt, die uns Nasen-Krüppeln sonst verborgen bleibt. Geht es nur darum das der vierbeinige Liebling ihn glückselig anlächelt? Möglich, aber auf Dauer sollte da doch mehr hinter stecken.



Der Reiz der Realität zu entfliehen


Über die Zeit der Suche lassen wir im besten Fall unsere Probleme des Alltags hinter uns. Wir konzentrieren uns ganz auf unserem Hund. Es kommt nicht darauf an einfach blind hinter ihm herzulaufen. Wenn wir effektiv sein wollen, müssen wir auf seine subtilen Zeichen achten. Nur dann können wir richtig reagieren. Tun wir das nicht würden ihn durch falsches Verhalten im schlimmsten Fall aus der Suche herausholen. Man sagt, man muss den Hund lesen lernen. Das geht nur, wenn man sich ganz auf ihn einlässt. Schnüffelzeit ist daher gemeinsame Zeit in der unsere Alltagssorgen nichts zu suchen haben. Eine Zeit in der wir ganz im Augenblick des Hier und jetzt sind.




Der Reiz den Hund zu verstehen


Mit der Zeit lernen wir unseren Hund immer besser zu verstehen. Können seine Körpersprache lesen. Das geht nicht von heute auf morgen. Es bedarf etwas Zeit und vor allem eine gute Beobachtung. Bei mir war es auch so. Zu Beginn habe ich mich sehr schwergetan, aber heute erkenne ich an seiner Rutenbewegung ob er noch dem Geruchsstoff oder eher dem Duft einer läufigen Hündin folgt. Ich kann an seiner Körperhaltung erkennen, ob er den Geruch nur schwach wahrnimmt, sich bereits in Richtung Geruchsquelle bewegt oder direkt am Versteck schnuppert. Ich erkenne an seiner Bewegungsrichtung wie Wetterbedingungen und die Umgebung die Ausbreitung des Geruchs beeinflussen. Umso besser wir unseren Hund verstehen, umso besser können wir mit ihm gemeinsam die Suche bestreiten. Wir sind nicht mehr der Bremsklotz am Ende der Leine, sondern ein Partner der weiß, wann er seinem Hund den nötigen Freiraum geben muss und wann er ihn unterstützen sollte. Dieses Verständnis schafft eine enge Bindung zu unserem treuen Begleiter.


Der Reiz der Vielfalt


Ich kenne kaum eine andere Art der Beschäftigung, die so vielfältig gestaltet werden kann wie die Nasenarbeit und hier besonders die Geruchsstoffsuche. Ich finde nichts langweiliger als mit dem Hund immer und immer wieder die gleichen Übungen durchexerzieren zu müssen. Auch als Hundetrainer kann ich mir nichts Schlimmeres vorstellen wie jedes Mal die gleichen Übungen mit meinen Teilnehmern durchzugehen. Abwechslung ist die halbe Miete. Sie bringt uns dazu Neues auszuprobieren, und uns weiterzuentwickeln.

Ich kann jederzeit an jedem Ort alleine mit meinem Hund arbeiten. Mal eben auf dem Spaziergang eine Suche einbauen oder bei schlechtem Wetter die Wohnung nutzen. Ich kann aber auch meinen Partner oder meine Kinder einbinden oder jemanden aus meiner täglichen Gassigruppe bitten eine Suchaufgabe für mich anzulegen. Da die Hilfsperson später nicht mehr anwesend sein muss, geht dies sogar zu Corona Zeiten. Natürlich kann ich mir auch eine Trainingsgruppe suchen und für meinen Hund durch die gemeinsame Arbeit neue Herausforderungen schaffen. Ich kann komplexe Suchthemen anlegen oder an kleinen Schwierigkeiten konzentriert arbeiten. Hier alles bis ins Detail aufzuzählen würde viel zu weit führen und soll an anderer Stelle erfolgen. Ich kann nur soviel sagen es wird nie langweilig.


Falls ihr noch nicht mit dem Nasenarbeits-Virus infiziert seid, habt ihn nun vielleicht auch Lust bekommen es einmal zu probieren. In unserer 10 tägigen Nosework-Challenge könnt ihr aktiv mit eurem Hund in das Thema hineinschnuppern. Der Kurs beginnt in Kürze. Nähere Informationen findet ihr hier: 10-Tage-Nosetracking-Challenge




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