Kopftraining als sinnvolle Beschäftigung - warum?

Aktualisiert: Apr 5


Auf dieser Webseite, und in unseren Kursen beschäftigen wir uns mit dem Thema „sinnvolle Beschäftigungen für Hunde“. Dabei ist uns vor allem das Thema Kopfarbeit besonders wichtig. Warum Denksportaufgaben das Leben unserer Fellnasen bereichern, werde ich euch in diesem Blogbeitrag etwas näher bringen.


Kognitionsforschung ein spannendes Thema

Die Intelligenz von Tieren hat mich immer schon fasziniert. Ich habe mir unzählige Beiträge zu Testaufbauten durchgelesen, die in den letzten Jahrzehnten mit Tieren durchgeführt wurden. Dabei meine ich nicht diese qualvollen Versuchsreihen, bei denen Tiere Stromstöße erhielten, um ein Meideverhalten zu zeigen. Mich interessieren die Testreihen, bei denen Hunde freiwillig ihre kognitiven Fähigkeiten zum Besten geben. Versuchsaufbauten wie wir sie in an der Eötvös Loránd Universität in Budapest oder dem Clever dog Lab in Wien finden. Diese beiden Einrichtungen seien hier exemplarisch genannt. Es gibt unendlich viele, die sich mit der geistigen Fähigkeit von Tieren beschäftigen. Das war nicht immer so. Lange Zeit galt der Mensch als die einzige intelligente Spezies. Erst als die Wissenschaft erkannte, das auch Tieren geistige Fähigkeiten besitzen, explodierte die Forschung regelrecht.


Diese Forschungen haben schier unglaubliche Ergebnisse hervorgebracht. Dabei habe ich mich stets gefragt, wie Tiere es schaffen komplexe Zusammenhänge ohne den Gebrauch einer Sprache zu verstehen. Die Wissenschaft geht heute davon aus, dass Erlebnisse und Erfahrungen im Gehirn in Form von Bildern abgespeichert werden. Diese Bilder werden sowohl untereinander wie auch mit dazugehörigen Emotionen verknüpft. In neuen Situationen wird das soeben erlebte mit den abgespeicherten Informationen abgeglichen und neu bewertet. Aus dem Ergebnis plant das Gehirn das weitere Vorgehen.


Ich kann mir nur schwer vorstellen, wie auf diese Art und Weise komplexe Zusammenhänge erkannt werden. Ich habe immer wieder versucht, ohne Worte zu denken, aber so sehr ich mich auch bemühe, ich kann es nicht. Jedes Mal, wenn ich Versuche ohne Worte zu denken, schwirren nur noch mehr durch meinen Kopf.


Jemand hat mir mal empfohlen mir eine Landschaft vorzustellen. Das würde ohne Worte funktionieren. Ich kann nur sagen bei mir nicht. Wasser, Strand, Wellen… Rauschen…… Oder wie ein ständig wiederkehrendes Mantra: denk ohne Worte, ohne Worte, ohne Worte, ohne Worte – verflucht das wird nichts. Wenn es bei so einfachen Sachen schon nicht funktioniert wie soll es dann erst bei komplexen Zusammenhängen sein.


Habt ihr es mal versucht? Könnt ihr ohne Worte denken? Lehnt euch doch mal zurück und probiert es. Postet eure Ergebnisse dazu gerne einmal hier in den Kommentaren. Ich bin gespannt, ob es euch so geht wie mir oder ob nur ich ein hoffnungsloser Fall bin.


Wie dem auch sei, wenn wir nicht davon ausgehen, dass Tiere über eine geheime Sprache verfügen, dann scheint es bei ihnen zu funktionieren. Seit vielen Jahren baue ich diverse Versuche, die ich in Büchern oder im Internet finden konnte, in unterschiedlichen Kursgruppen nach. Ich bin immer wieder erstaunt welche Ergebnisse dabei zustande kommen.


Lernen ein Grundbedürfnis

Neben der Begeisterung meinen Hunden bei der Lösung diverser Intelligenz Aufgaben zuzuschauen - möchte ich ihnen auch die Möglichkeit geben sich mental weiterzuentwickeln.

Lernen ist ein Grundbedürfnis. Gehirne, ganz egal ob unsere oder die von Tieren sind so konzipiert dass sie immer neue Informationen haben möchten.


Dies hat Mutter Natur geschickt eingerichtet und das mit gutem Grund. Nur wenn das Gehirn bereit ist neue Informationen aufzunehmen kann es überhaupt mit neuen Situationen umgehen. Würde sich unsere Umwelt nie verändern. Würden wir immer alles gleich vorfinden und alles würde immer gleich ablaufen, dann bräuchten wir nichts zu lernen. Dann könnten wir dumm sterben. Es würde reichen, wenn wir das Notwendigste wüssten. Dem ist aber nicht so. In unserer Gesellschaft gibt es immer wieder neue Situationen. Kleine Veränderungen oder riesengroße. Egal womit wir es zu tun haben, unser Gehirn muss in der Lage sein diese Informationen zu verarbeiten. Umso intelligenter der Einzelne ist, umso besser kann er sich auf neue Situationen einstellen.


Schon Charles Darwin hat es Ende des 19. Jahrhund gewusst. Er sprach vom survival of the fittest – dem Überleben des Passendsten. Also dem, der sich am besten an seine Umwelt anpassen kann. Nur der Kluge ist in der Lage sich bestmöglich anzupassen


Ein geistig gesunder Organismus birgt viele Vorteile. Ich werde auf einige dieser Punkte in der nächsten Zeit noch genauer eingehen. Für heute genügt ein schneller Überblick:


Gesundheit

Forschungen legen nah, dass es scheinbar einen Zusammenhang gibt zwischen dem IQ und der Gesundheit gibt. Intelligente Menschen scheinen demnach über eine bessere Gesundheit und ein längeres Leben zu verfügen. Aktuelle Studien am Hund scheinen diese Annahme zu bestätigen.



Aufschieben der Altersdemenz.

Selbst wenn sich herausstellen sollte, das der IQ doch kein Maß für die körperliche Gesundheit ist, so ist er auf jeden Fall ein Maß für die geistige Fitness. Er ist maßgeblich daran beteiligt die Altersdemenz aufzuschieben. Wir wissen heute das im Alter Hirnareale absterben. Dies ist ein normaler Prozess. Dieser Verlust kann von anderen Teilen des Gehirns aufgefangen werden. Dies ist aber nur möglich, wenn die Voraussetzungen dafür vorhanden sind. Es dauert zudem viel länger bis der Ausfall bestimmter Hirnareale bei einer großen zur Verfügung stehenden Masse erkannt wird. Ist wenig vorhanden – ist schnell nichts mehr übrig.


Ausgeglichenes Wesen

Für einen glücklichen und zufriedenen Geist bedarf es sowohl körperlicher Aktivität wie auch geistiger Förderung. An körperlicher Aktivität mangelt es unseren Vierbeinern meist nicht. Lange ausgedehnte Spaziergänge, Agility im Hundeverein und eventuell noch eine Runde joggen am Abend. Manchen Hunde- Individuum reicht es an geistiger Information beim Spaziergang die Duftmarken anderer Hunde zu studieren. Für andere ist dies bei weitem nicht genug. Sie brauchen eine weiterführende geistige Betätigung, um zufrieden zu sein.


Ausbildung des Selbstvertrauens

Eine Aufgabe eigenständig zu lösen, selber die Funktion eines Vorgangs herauszufinden schüttet Glückshormone aus. Die positiven Emotionen wecken ein Flow-Gefühl was wiederum das Selbstwertgefühl des Hundes stärkt. Steht es nun vor einer neuen Herausforderung, wird es diese mit mehr Zuversicht angehen. Nach dem Motto, wenn ich DAS geschafft habe – schaffe ich DIES auch auf jeden Fall.